Magnetschwebebahn zum BER - Lustige Zufälle und alte Ideen

26. Juni 2020

Lesedauer ca. 3 Minuten

Wie unter anderem auch der Tagesspiegel berichtet, fordert die CDU in Berlin anstelle einer U-Bahn-Anbindung des überteuerten Skandalflughafens BER den Bau einer Magnetschwebebahn. Da werden Erinnerungen an die CSU in Bayern wach, die ebenfalls eine Magnetschwebebahn - nämlich den Transrapid - von der Stadtmitte zum Flughafen München bauen wollte.

Und vermutlich ist es nur Zufall, das wieder Bayern - nämlich in Form des auserkorenen Lieferanten, dem Unternehmen Max Bögel - eine Rolle spielt und das Produkt des Unternehmens dem ehemaligen Transrapid ähnelt. Zufälle gibt es ja immer wieder und ein Schelm wäre, wer dahinter wieder Lobbyismus vermutet...

In München ist dieser Irrsinn glücklicherweise niemals Realität geworden, was dem Steuerzahler viele, viele Millionen und der Stadtbevölkerung eine Verschandelung des Stadtbildes und noch prekärerer Verkehrsverhältnisse erspart hat - denn irgendwie müssen die Leute ja erst einmal zur Magnetschwebebahn kommen, um sie nutzen zu können. Und ob viele Menschen, einen Ticketpreis von 20, 30, 40 oder gar 50 EUR bezahlt hätten - wer weiß... Gerechnet hätte es sich bei Einbeziehung der Kosten für Personal und Unterhalt ohnehin erst nach mehr Jahrzehnten, als die meisten Menschen leben. Anzumerken sei dabei noch, das wir in München schon zwei S-Bahn-Linien plus diverse Bus-Shuttles haben, die den Flughafen regelmäßig anfahren - also die Anbindung - trotz der Entfernung - als sehr gut zu bezeichnen ist.

In Berlin versucht man nun wieder auf Dummenfang zu gehen. Man will wieder die alte Idee der Magnetschwebebahn aus dem Hut zaubern und als toll verkaufen. Tatsächlich ist das aber inBerlin - ebenso wie in München - ein Blödsinn. Blödsinn, weil solche Bahnen ihr Potenzial erst auf langen Strecken ausspielen können und erst da wirkliche Kosten- und Zeitvorteile für Reisende realisieren. Auf kurzen Distanzen lohnt sich das nicht, weil einerseits Reisende erst einmal zum Startpunkt kommen müssen - traditionell dann wohl ein großer Bahnhof - und dementsprechend Infrastruktur vorhanden sein muss. Ferner darf es nicht zu viele Zwischenhalte geben, da diese den (geringen) Zeitvorteil wieder auffressen und zudem wieder aufwändigere Baumaßnahmen als für den reinen Trassenbau erfordern.

Die vermeintlichen Kostenvorteile gegenüber einer U-Bahn (170 Mio.EUR je Kilometer Ersparnis) sehen zwar auf dem Papier gut aus - werden sich erfahrungsgemäß in der Praxis aber relativieren. Ebenso dürfte der Bau erhebliche Probleme bereiten, da Anwohner und Grundbesitzer wenig Freude zeigen dürften, wenn man ihnen die Trasse und die Stützen einer Hoch-Magnetschwebebahn vor die Fenster setzt - Klagen sind wahrscheinlich und dürften sowohl Kosten treiben als auch die Umsetzung verschleppen. Letztendlich muss auch die Frage gestellt werden, wie man eine solche Trasse gegen Anschläge schützt und wie man mit dem (wenngleich geringen) Risiko von Unfällen umgehen möchte.

Ob am Ende von der thereotischen Einsparung noch viel bleibt, darf in Zweifel gezogen werden und ob dieses Projekt einerseits in absehbarer Zeit abgeschlossen werden kann und andererseits wirklich Vorteile für Reisende bietet, darf ebenso bezweifelt werden.

Selbst den Anspruch, diese Bahn als ein"Leuchtturmprojekt" zu werten, wird man nur schwer erfüllen - vielmehr dürfte hier die nächste Peinlichkeit und Steuermittelverschwendung vor der Tür stehen. Aber vielleicht gelingt den Lobbyisten in Berlin, womit sie in München - zu Recht - gescheitert sind. Meine Tüte Popcorn steht bereit.

Abgesehen davon finde ich die Technologie toll - nur sollte sie sinnvoll eingesetzt werden: Auf langen Strecken - wie z.B. München - Berlin, Frankfurt - Hamburg o.ä. Dort kann das volle Potenzial ausgenutzt werden und dort ist der Vorteil für Reisende besonders groß - allerdings würde das dann vermutlich der Bahn weniger gut schmecken... Irgendwas ist eben immer...